Home
Märchen
Warum Märchen?
Angebot
Programm
Wir stellen uns vor
Kontakt
Links
  
 


Alle Dinge hatten schon ihre Farbe, die Erde war braun, das Gras grün, die Rose rot und der Himmel blau. Nur für den Schnee war keine Farbe übrig geblieben. Da entschloss sich der Schnee, die anderen zu bitten, ihm etwas Farbe abzugeben. Zuerst ging der Schnee zur Erde. „Gib mir ein wenig von deiner braunen Farbe", bat er. Die Erde aber schlief und antwortete nicht. Da ging der Schnee zum Gras. "Gib mir ein wenig von deiner grünen Farbe!" Das Gras jedoch war geizig und tat, als hörte es nicht. Da begab sich der Schnee zur Rose: „Gibst du mir ein bisschen rote Farbe, schöne Rose?" Doch die Rose wandte sich stolz zur Seite. Die Schlüsselblume wollte ihr Gelb für sich behalten, und das kleine Veilchen mochte von seinem bisschen Blau auch nichts abgeben. So musste der arme Schnee unverrichteter Dinge weiterziehen. Schliesslich blieb er vor einem bescheidenen weissen Blümchen am Waldrand stehen. „Könntest du vielleicht ein wenig von deiner weißen Farbe entbehren?", fragte er. Das weiße Glöckchen wollte zuerst auch nicht. Da wurde der Schnee ganz traurig und sagte: „Dann wird es mir gerade so ergehen wie dem Wind. Der hat auch keine Farbe und brüllt und bläst bloß. Den kann auch niemand sehen." Da erbarmte sich das weiße Blümchen und gab dem Schnee seine Farbe. Und so ist der Schnee weiß geworden. Und die bescheidene kleine Blume vom Waldrand, die heute auch in unseren Gärten blüht, heißt Schneeglöckchen. Allen Blumen ist der Schnee seither gram und lässt sie erfrieren. Bloß das Schneeglöckchen schont er, ihm fügt er keinen Schaden zu.  

Märchen aus Mazedonien