Alle Dinge
hatten schon ihre Farbe, die Erde war braun, das Gras grün, die Rose rot und
der Himmel blau. Nur für den Schnee war keine Farbe übrig geblieben. Da
entschloss sich der Schnee, die anderen zu bitten, ihm etwas Farbe abzugeben.
Zuerst ging der Schnee zur Erde. „Gib mir ein wenig von deiner braunen
Farbe", bat er. Die Erde aber schlief und antwortete nicht. Da ging der
Schnee zum Gras.
"Gib mir
ein wenig von deiner grünen Farbe!" Das Gras jedoch war geizig und tat,
als hörte es nicht.
Da begab sich
der Schnee zur Rose: „Gibst du mir ein bisschen rote Farbe, schöne Rose?"
Doch die Rose wandte sich stolz zur Seite.
Die
Schlüsselblume wollte ihr Gelb für sich behalten, und das kleine Veilchen
mochte von seinem bisschen Blau auch nichts abgeben. So musste der arme Schnee
unverrichteter Dinge weiterziehen. Schliesslich blieb er vor einem bescheidenen
weissen Blümchen am Waldrand stehen. „Könntest du vielleicht ein wenig von
deiner weißen Farbe entbehren?", fragte er. Das weiße Glöckchen wollte
zuerst auch nicht.
Da wurde der
Schnee ganz traurig und sagte: „Dann wird es mir gerade so ergehen wie dem
Wind. Der hat auch keine Farbe und brüllt und bläst bloß. Den kann auch niemand
sehen."
Da erbarmte
sich das weiße Blümchen und gab dem Schnee seine Farbe. Und so ist der Schnee
weiß geworden. Und die bescheidene kleine Blume vom Waldrand, die heute auch in
unseren Gärten blüht, heißt Schneeglöckchen. Allen Blumen ist der Schnee
seither gram und lässt sie erfrieren. Bloß das Schneeglöckchen schont er, ihm
fügt er keinen Schaden zu.